| KAPSTADT,
23. September 1994 Strahlend
blauer Himmel; das berühmte Tischtuch des Tafelberges
ist heute nicht vorhanden. Ein steifer Nordwest verspricht
hohe Geschwindigkeit mit der 15,70 m langen „THUNDERCHILD“,
einer Regattayacht nach dem Riß von Lavranos. Unser
Skipper heißt RHETT, zu seiner Crew gehören Frauke
aus Deutschland, Gavin, Südafrikaner wie der Skipper
und ich, Bruno, auch aus Deutschland.
Im Hafen
entscheidet sich Skipper Rhett für das ungereffte Großsegel.
In rauschender Fahrt, parallel zu einem Ölbohrinselversorger,
verlassen wir das Kapstädter Hafengebiet. Nach Ausrollen
der Genua steigt das Log schnell auf 12 Knoten. Der für
Segler der europäischen ,Binnenmeere‘ von Ostsee
bis Mittelmeer ungewohnte ca. 6 m hohe Atlantikschwell läßt
bei „Talfahrt“ das Log auf bis zu 15 kn klettern.
Bald verschwindet
der über 1000 m hohe Tafelberg hinter den südlicheren
Küstenbergen. Von Westen zieht eine Wolkenfront heran,
aus der bei Annäherung an das KAP DER GUTEN HOFFNUNG
Regenschauer und Starkwindböen über uns herfallen.
Ehe zur Umrundung des Kaps angeluvt werden muß, werden
zwei Reffs in das Groß gebunden und die Rollfock gegen
die Normalfock getauscht.
Und dann
geht der Höllentanz los! Zwischen den Bergkuppen entwickeln
sich Sturmböen, die in Küstennähe „smoking
water“ erzeugen und die Yacht trotz 3 m Kiellänge
weit über die Reeling wegkrängen lassen. Der Rudergänger
hat, wegen des sicheren Standes am Leerruderrad, alle Hände
voll zu tun, durch Anluven dem Winddruck auszuweichen. Trotzdem
hält die Fock der Belastung nicht stand und reißt
längs der mittleren Bahn ein.
Der Wechsel
gegen die Sturmfock ist bei den in kurzem Abstand einfallenden
Böen harte Arbeit. Der Kampf mit diesen Natur-kräften
läßt wenig Zeit, die Umrundung der Kapspitze wahrzunehmen.
Zwischen Regenschauern und Sonnenstreifen geht es in der FALSE
BAY auf Kreuzkurs. Richtung SIMONSTOWN. Die Handhabung der
Backstagen bekommt auch der „Fahrtensegler“ dabei
in den Griff.
Bei Einbruch
der frühen Dunkelheit erreichen wir den Hafen von Simonstown.
Mitglieder des Yachtclubs weisen uns an einen Steg mit angeblich
3,80 m Wassertiefe ein. Nach Clubbesuch und Abendessen in
einem bequem zu Fuß erreichbaren Restaurant überrascht
uns die Yacht mit extremer Schräglage und straff gespannten
Festmachern. Der mit ca. 1,40 m vorhandene Tidenhub hat den
Kiel auf den weichen Grund gesetzt. Schlafen zu zweit in der
Doppelbett-Achterkoje ist unmöglich. Wir sind zwar optimistisch,
- schließlich haben wir auf den Spuren der alten Seefahrer
das berühmte KAP DER GUTEN HOFFNUNG umrundet - aber selbst
das Liegen querschiffs mit heraushängenden Beinen führt
nicht zur verdienten Nachtruhe. Schließlich legen wir
das Polster auf den Fußboden. Fünf Stunden später
ist das Problem durch den Tidenstieg gelöst.
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